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  • Dr. Megan Wester

Schlaf, Baby, schlaf! 5 Tipps, die ich aus meinen Anfängerfehlern gelernt habe.

Aktualisiert: Juli 16

Heute gibt es einen persönlichen Beitrag über mein müdes Gedankenkarussell während der ersten Monate mit meinem Sohn und den Schlaf-Erkenntnissen, die ich gerne schon vor der Geburt gehabt hätte. Wenn ihr ein Kind erwartet, gerade in dieser Phase seid oder übermüdete Eltern kennt, hoffe ich, dass ich euch damit helfen kann, einen eigenen Weg zu erholsameren Nächten zu finden.



Als wir nach der Geburt unser Baby endlich in den Armen hielten, hatte ich das Gefühl, über endlose Kraft für dieses hilflose Wesen zu verfügen. Statt mich auszuruhen, habe ich den ersten damit verbracht unseren Sohn anzuschauen, Fotos von ihm zu machen und alle Fragen meiner Freunde und Verwandten per WhatsApp zu beantworten. Dass frischgebackene Eltern nicht gleich in der ersten Woche kollabieren, hat die Evolution geschickt eingerichtet. Auch nach vier Wochen zerrissener Schlaffetzen ging es mir körperlich und mental noch einigermaßen gut, obwohl ich tagsüber trotz des Ratschlags: "Schlafe immer, wenn das Kind schläft", nicht schlafen konnte. Außerdem war er ja jetzt kein Neugeborener mehr und irgendwann musste es ja besser werden?!

Als ich mich diesbezüglich in meinem Freundeskreis umhörte, meinte eine Freundin, bei ihnen hätten alle drei Kinder nach drei Monaten wieder durchgeschlafen. Das gab mir Hoffnung.

Meine beste Freundin machte mit ihrer acht Monate alten Tochter jedoch immer noch dieselben schlaflosen Nächte durch, und der Gedanke, dass mir dies noch monatelang bevorstehen könnte, machte mich verrückt.

Und so setzte ich alles daran, einen "guten Schläfer" zu bekommen. Nachts konnte ich vor Nervosität teilweise nach dem ersten Aufwachen nicht mehr einschlafen und nutzte den Rest der Nacht dazu, mir alles durchzulesen, was ich im Internet zum Thema Babyschlaf finden konnte. Doch die gegensätzlichen Ratschläge, die ich dort fand, beschleunigten mein Gedankenkarussell nur noch weiter.

Anfang des vierten Monats stellte sich der Rhythmus unseres Zwergs dann noch einmal um: Statt alle zwei oder drei Stunden aufzuwachen, passierte dies nun teilweise alle zehn Minuten. Dass unsere Spezies nicht längst schon ausgestorben ist, wunderte mich zunehmend. Ich war verzweifelt und suchte Rat.


Glücklicherweise fand ich nach vielen durchlesenen Nächten auf der Webseite einer amerikanischen Kinderkrankenschwester endlich Rat, der zu mir passte. Anstatt starrer Prinzipien, gab es auf ihrem Blog und in ihrem E-Book Orientierungshilfen und Mitgefühl (den Link findet ihr unten).

Nicht alles funktionierte bei uns und von meinem Umfeld bekam ich viele mitleidige Blicke, da viele auch diese Methode für ein leeres Versprechen hielten. Doch innerhalb der nächsten drei Wochen schaffte es unser Zwerg, seine Schlafzyklen zu verbinden und deutlich länger am Stück zu schlafen.

Der nächste Schritt war, ihn langsam und sanft dazu zu bringen, den Hauptteil seiner Kalorien tagsüber zu sich zu nehmen.

Auch wenn unser acht Monate alter Sohn heute manchmal nachts immer noch Hilfe braucht und ich statt meiner benötigten acht Stunden meist nur auf sechs bis sieben Stunden Schlaf komme, haben wir endlich einen Zustand gefunden, mit dem wir leben können.


Daher möchte ich meine Top-Erkenntnisse aus meinen größten Schlaf-Anfängerfehlern mit euch teilen:


1. Warte kurz ab, bevor du eingreifst

Babys machen während des Schlafs manchmal Geräusche, die gar kein Hilfeschrei sind. Da wir die Laute unserer Kinder anfangs nicht gut kennen, halten wir diese oft für Anzeichen von Hunger, Blähungen oder Unwohlsein. Als Eltern möchten wir natürlich sofort für unser Kind da sein. Nicht immer jedoch ist ein Eingreifen nötig. Dies herauszufinden, braucht etwas Zeit und Geduld, die man oft um 2Uhr in der Früh nicht hat. Auch aus Gewissenbissen dem arbeitenden Partner oder den Nachbarn gegenüber oder aus dem absolut verständlichen Wunsch heraus, möglichst schnell weiterschlafen zu können, hat man den Drang, das Baby sofort zu "stillen". Indem man ihm jedoch ein paar Minuten Zeit gibt, kann es lernen ohne fremde Hilfe weiterzuschlafen. Manchmal weckt man das Kind durch zu frühes Eingreifen sogar auf.


2. Habe realistische Erwartungen an Babyschlaf

Babyschlaf entwickelt sich leider nicht linear. Er verbessert sich etwas, nur um sich beim nächsten Entwicklungssprung wieder zu veschlechtern. Dies ist jedoch kein Rückschritt, sondern eine normale Entwicklung, auch Regression genannt. Es macht mich zwar immer noch wahnsinnig, wenn unser Zwerg nachts wieder mehrfach aufwacht, obwohl er die Wochen davor durchgeschlafen hat. Aber inzwischen stresst es mich nicht mehr, weil ich weiß, dass es unvermeidbar ist. Daher lass dich nicht verrückt machen, wenn dir eine Freundin erzählt, dass ihr älteres Baby immer noch schlecht schläft. Vielleicht ist es auch nur eine vorübergehende Phase.


3. Lass dich von der Meinung anderer und der Werbung nicht verunsichern

Dass Babys anfangs nicht gut schlafen, ist kein neues Phänomen. Früher hat man sogar versucht sie mit Alkohol zu beruhigen oder in ein möglichst weit entferntes Zimmer zu legen. Heute gibt es so etwas gottseidank nicht mehr und jede Familie findet einen eigenen Weg, mit dieser Belastungssituation umzugehen. Dabei gibt es viele verschiedene Methoden und noch mehr Meinungen, die gerne ungefragt auf völlig übermüdete Eltern hereinprasseln. Auch die Werbeindustrie hat das erkannt und nutzt geschickt aus, dass vielen Eltern für etwas mehr Schlaf sehr viel Geld ausgeben würden. Es ist wichtig, seinen eigenen Weg zu suchen und verschiedene Strategien auszuprobieren. Aber wenn du etwas findest, was für dich und deine Familie passt, bleib dabei und lass dich von den Rückschlägen der normalen Babyentwicklung nicht entmutigen!


4. Du musst nicht alles alleine schaffen

Eine "gute" Nacht kann alles retten. Deshalb hilft es enorm, wenn euer Partner euch am Wochenende die nächtliche Verantwortung abnimmt. Ich habe mich nach dem dritten Monat am Wochenende mit Ohropax ins Gästezimmer gelegt und mein Mann hat mir den Zwerg nur zum Stillen gebracht. Ja, ich musste trotzdem nachts mehrfach aufwachen, aber ich konnte zum ersten Mal nach dem Stillen direkt wieder einschlafen.


5. Sorge gut für dich selbst

Gerade in solchen akuten Belastungssituationen hilft es, sich selber gut zu kennen und zu wissen, was einem Kraft gibt. Damit meine ich nicht nur ausreichend zu essen und zu trinken, sondern zu wissen, was einem mentalen Halt gibt. Mir hat es in langen durchwachten Nächten geholfen, einen "Plan" zu haben, weil ich dann nicht mehr weiterlesen und ausprobieren "musste". Freunden von mir hat genau das Gegenteil geholfen, nämlich jede Nacht auf sich zukommen zu lassen in dem Wissen, dass dies nun mal so ist mit Babys, und sie eh nichts dafür oder dagegen tun können. Wenn du mehr darüber lesen möchtest, wie unsere Routinen uns helfen können, uns selber besser kennenzulernen und gut für uns zu sorgen, ließ dir mein Routinen-Mindset durch.

Mir hat nach einiger Zeit auch die Erkenntnis geholfen, dass man einen Tag auch mit nur zwei Stunden Schlaf bestreiten kann, denn oft genug hielt mich nachts die Sorge wach, wie ich nur den kommenden Tag mit Baby schaffen sollte. Wenn man wie ich tagsüber nicht schlafen kann, kann auch leichter Sport und frische Luft zur Erholung beitragen, auch wenn es unglaublich schwer ist, sich dazu aufzuraffen.


Bonustipp von deiner Kinderzahnärztin: Schokolade richtet alles. Auch Nutellabrote um 4 Uhr morgens in der Badewanne. Den Schlafblog, der mir sehr geholfen hat, findet ihr unter: www.takingcarababies.com.

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